Gesamtarbeitsvertrag · CCT-SOR

CCT du second œuvre romand (Ausbaugewerbe Westschweiz)

Die CCT-SOR ist der Rahmen-GAV des Westschweizer Ausbaugewerbes: Schreinerei/Zimmerei, Glaserei, Gipserei/Malerei, Plattenleger, Boden-/Parkettleger und weitere Gewerke in FR, GE, JU, NE, VD, VS und im Berner Jura – je nach Kanton unterschiedlich unterstellt. Sie ist allgemeinverbindlich (bis Ende 2028) und arbeitet mit der 41-Stunden-Woche, dem Monatslohn-Divisor 177,7 und einer 120-Stunden-Bandbreite. Für Deutschschweizer Betriebe mit Einsätzen in der Romandie ist sie der massgebende Orts-GAV.

Stand: Oktober 2026Veröffentlicht 06.10.2026Nächste Prüfung: Januar 2027

Steckbrief

Vertragsparteien
FRECEM (Fédération romande des entreprises de charpenterie, d’ébénisterie et de menuiserie) · FREPP (Fédération suisse romande des entreprises de plâtrerie-peinture) · Unia · Syna
Allgemeinverbindlich
ja
Veröffentlicht 01.02.2025 · gültig bis 31.12.2028
Kantone
Bern, Freiburg, Genf, Jura, Neuenburg, Waadt, Wallis
Branchen
schreiner, holzbau, maler-gipser, plattenleger
Vollzug / Kontrolle
Commission paritaire professionnelle du second œuvre romand (CPP-SOR) + kantonale Kommissionen
gültig bis
31.12.2027

Arbeitszeit

Arbeitszeit
Jahresarbeitszeit: 2132 Std. Wochenarbeitszeit: 41 Std. Wochenarbeitszeit: 39–45 h 41-h-Woche. Standardmodell: Der Betrieb legt die Wochenarbeitszeit Mo–Fr zwischen 39 und 45 h fest; die 41.–45. Stunde läuft als Überstunde (Bandbreite bis 120 h pro Kalenderjahr). Alternativ Gleitzeitmodell 32–47 h mit konstantem Monatslohn (Stundenlohn × 177,7; Jahresrahmen 2132–2252 h). Arbeitszeitfenster 6–22 Uhr (GE: 6–18 Uhr); bezahlte Absenzen und Feiertage zählen mit 8,2 h/Tag (Art. 12, Anhang VII).
Pausen
Keine allgemeine bezahlte Pause; die Mittagspause wird im Betrieb festgelegt und ist unbezahlt. Bei Schichtarbeit ist die halbe Stunde Pause bezahlt und gilt als Arbeitszeit; in Genf besteht Anspruch auf eine 10-Minuten-Pause am Vormittag (Art. 16, Anhänge V/VIII).
Weg- und Reisezeit
Fahrten zwischen Werkstatt und Baustelle während des Arbeitstags sind bezahlte Arbeitszeit (Anhang VIII). Verursacht der Einsatz Mehrkosten, werden CHF 18 Essensgeld, die Transportkosten (Privatfahrzeug) sowie Reise, Verpflegung und Unterkunft bei auswärtiger Übernachtung vergütet (Art. 23). Eine Minutenschwelle für den täglichen Arbeitsweg kennt die CCT-SOR nicht.
Ferien
bis zum 50. Altersjahr (25 Werktage): 5 Wochen ab dem vollendeten 50. Altersjahr (30 Werktage): 6 Wochen
Feiertage
Entschädigung für höchstens 9 Feiertage pro Jahr in Höhe des effektiven Lohnausfalls; die 9 Tage sind je Kanton in Anhang III abschliessend festgelegt (z. B. 1. Mai in NE/JU/Berner Jura, Freitag nach Auffahrt in VD). Bezahlte Feiertage werden mit 8,2 h verrechnet (Art. 21).
Zuschläge
Überstunden: 41.–45. Stunde laufend ohne Zuschlag (Bandbreite bis 120 h/Jahr, darüber +25 %); Jahresendsaldo: Auszahlung +25 % oder Kompensation bis 31.3.; Überarbeitszeit über 45 h (6–22 Uhr): +25 % bzw. Kompensation mit +10 % Zeitzuschlag im Gleitzeitmodell (Art. 13–14) Nachtarbeit: 22–6 Uhr: 100 %; angeordnet verschobene Stunden in der Nacht: 50 % Samstag: ab 17 Uhr bis Montag 6 Uhr: 100 % (vor 17 Uhr kein genereller Zuschlag) Sonntag: 100 % Feiertag: 100 %
Spesen
Mittagsentschädigung: CHF 18 (bei Mehrkosten durch Einsatz ausserhalb der Werkstatt) Kilometerentschädigung: CHF 0.70/km (Auto) Motorrad CHF 0.30/km, Motorfahrrad CHF 0.15/km (Art. 23–24); Genf mit eigener Tagespauschale (in Sonderfällen CHF 9).
Krankentaggeld / Vorsorge
Krankentaggeld: 80 % des AHV-Lohns, max. 720 Taggelder innert 900 Tagen, Leistungsaufschub max. 30 Tage (Arbeitgeber zahlt derweil 80 %), 2 Karenztage; Prämie zu 1/3 Arbeitnehmende, 2/3 Arbeitgeber (Art. 35). Berufliche Vorsorge: Mindestbeitragssatz 11 % des AHV-Lohns mit kantonalen Varianten – GE/NE/VS/VD Höchstbeiträge 12,5 % je hälftig, VD-CRP- und NE/JU-CIEPP-Alternativen; gilt nicht in FR (Art. 38).
Kündigung
Probezeit: Die ersten 30 Kalendertage; kündbar mit 7 Kalendertagen auf Ende eines Arbeitstages (Art. 7). Kündigungsfristen: 1 Monat im 1.–2. Dienstjahr, 2 Monate im 3.–9., 3 Monate ab dem 10. Dienstjahr, je auf Monatsende; bei wirtschaftlich bedingter Kündigung von über 50-Jährigen mit mindestens 10 Dienstjahren verdoppelt (Art. 8, 10).
Mindestlöhne
Anhang II, Mindestlöhne ab 1.1.2026; Monatslöhne auf Basis 177,7 h/Monat. Sondertabellen für Genf (Vorrang LIRT-Mindestlöhne) und Vorrang des kantonalen Mindestlohns in NE. Werkmeister/Baustellenleiter (WM): 6’060/Mt. (34.10/h) Klasse A (EFZ, ab 3. Jahr nach Lehre): 5’509/Mt. (31.00/h) Klasse B (ohne EFZ bzw. mit EBA): 5’064/Mt. (28.50/h) Klasse C (Hilfsarbeit, ab 22 J.): 4’682/Mt. (26.35/h) Vollständige Lohntabelle: siehe Quellen unten

Änderungen

  • Effektivlöhne +CHF 0.30 pro Stunde für alle Unterstellten per 1.1.2026 (Avenant vom 30.9.2025).
  • Neue Mindestlöhne per 1.1.2026 (Anhang II): u. a. Klasse A von CHF 5’331 auf 5’509.
  • AVE-Änderung per 1.1.2026 (BRB 11.12.2025): Geltungsbereich erweitert (Innendekoration/Schaufenstergestaltung GE, erweiterte Gewerksliste NE); CIEPP-Alternative in der beruflichen Vorsorge für NE/JU/Berner Jura.
  • Vertragslaufzeit bis 31.12.2027 (stillschweigende Verlängerung), AVE bis 31.12.2028.

Häufige Fehler bei Kontrollen

  • Falscher Divisor: 177,7 h/Monat gilt für die Umrechnung – nicht 173,3 oder 176 aus den Deutschschweizer Verträgen.
  • Eigene Feiertagsliste statt Anhang III: Die 9 bezahlten Feiertage sind je Kanton abschliessend festgelegt – inklusive Spezialfällen wie 1. Mai (NE/JU/Berner Jura) und Freitag nach Auffahrt (VD).
  • Samstag pauschal mit Zuschlag abgerechnet: Erst ab 17 Uhr gelten 100 %; davor ist der Samstag zuschlagsfrei.
  • 120-h-Bandbreite überschritten: Ab der 121. Überstunde im Kalenderjahr laufend +25 %.
  • Vollzugsbeiträge falsch: Arbeitnehmende 1,0 % (0,7 Vollzug + 0,3 Bildung), Arbeitgeber 0,5 % des AHV-Lohns – im Kanton VD gilt ein eigenes Sozialfonds-System.
  • Ferienlohn im Stundenlohn: 10,64 % bzw. 13,04 % (ab 50) – nicht die LMV-Sätze.

So bilden Sie den GAV in Baunex ab

  1. Arbeitszeitmodell wählen (Standard 39–45 h oder Gleitzeit 32–47 h) und als Kalender mit 8,2-h-Absenzverrechnung hinterlegen.
  2. Überstundenzähler mit 120-h-Bandbreite und Stichtag 31.3. für die Kompensation.
  3. Zuschlagsmatrix: Nacht 100 %, verschobene Stunden 50 %, Samstag ab 17 Uhr/So/Feiertag 100 %.
  4. Feiertage je Kanton aus Anhang III pflegen – bei Einsätzen über Kantonsgrenzen zählt der Einsatzort.
  5. Mindestlöhne 2026 (A/B/C/WM, Divisor 177,7) pro Person prüfen; Ferienlohn 10,64/13,04 % im Stundenlohn ausweisen.
  6. Vollzugsbeiträge 1,0 %/0,5 % automatisch abrechnen (VD separat) – Baunex führt die Sätze pro Kanton mit.

Häufige Fragen

Für wen gilt die CCT-SOR?

Für Betriebe des Ausbaugewerbes in FR, GE, JU, NE, VD, VS und im Berner Jura – welche Gewerke unterstellt sind, regelt eine Kanton-Gewerk-Matrix: Schreinerei/Zimmerei und Glaserei überall, Gipserei/Malerei in FR/GE/NE/VD/VS, Plattenleger in FR/GE/JU/VD, Boden-/Parkettleger überall. Dank AVE gilt sie auch für Nichtmitglieder und den Personalverleih.

Gilt die CCT-SOR auch für Deutschschweizer Betriebe mit Baustellen in der Romandie?

Ja – als allgemeinverbindlicher Orts-GAV gilt sie nach dem Arbeitsortprinzip auch für Entsendungen aus anderen Kantonen. Massgebend sind dann u. a. die Mindestlöhne nach Anhang II und die Feiertage des Einsatzkantons (Anhang III).

Wie funktioniert die Arbeitszeit?

41 Stunden pro Woche als Basis. Im Standardmodell legt der Betrieb 39–45 h fest; die Stunden 41–45 laufen als Überstunden mit einer Bandbreite von 120 h pro Jahr. Alternativ gibt es ein Gleitzeitmodell (32–47 h) mit konstantem Monatslohn auf Basis 177,7 h.

Welche Zuschläge gelten?

Überstunden über der Bandbreite bzw. am Jahresende +25 %, Überarbeitszeit (über 45 h) +25 %, Nachtarbeit 22–6 Uhr +100 % (angeordnet verschobene Stunden +50 %), Samstag ab 17 Uhr, Sonn- und Feiertage +100 % (Art. 13–14).

Welche Mindestlöhne gelten 2026?

Nach Anhang II ab 1.1.2026: Werkmeister CHF 6’060, Klasse A (EFZ ab 3. Jahr) 5’509, Klasse B 5’064, Klasse C 4’682 pro Monat (177,7 h). In Genf gehen die LIRT-Mindestlöhne, in Neuenburg der kantonale Mindestlohn vor, wo höher.

Was gilt bei Krankheit und Pensionskasse?

Krankentaggeld 80 % (720 Tage), Prämie 1/3 zu Lasten der Mitarbeitenden und 2/3 des Arbeitgebers – anders als in den meisten Deutschschweizer GAV. Die berufliche Vorsorge kennt einen Mindestbeitragssatz von 11 % des AHV-Lohns mit kantonalen Varianten (nicht in FR).

Quellen

  1. CCT du second œuvre romand 2024 (deutsche Fassung, Volltext), Art. 1, 3, 7–24, 35, 38, 42, 61; Anhänge II, III, V, VII, VIII – CPP-SOR (abgerufen am 19.08.2026)
  2. Bundesratsbeschluss Wiederinkraftsetzung/Änderung vom 16. Januar 2025, BBl 2025 179; in Kraft 1.2.2025 – SECO / Bundesrat (abgerufen am 19.08.2026)
  3. Bundesratsbeschluss AVE-Änderung vom 11. Dezember 2025, BBl 2025 3626; in Kraft 1.1.2026, AVE bis 31.12.2028 – SECO / Bundesrat (abgerufen am 19.08.2026)
  4. Annexe II – Salaires minima dès le 1er janvier 2026 – CPP-SOR (abgerufen am 19.08.2026)
  5. Avenant Löhne per 1.1.2026 (+CHF 0.30/h Effektivlöhne) – CPP-SOR (abgerufen am 19.08.2026)

Arbeitszeit rechtssicher erfassen

Baunex erfasst Arbeitszeit, Pausen, Wegzeit und Zuschläge pro Baustelle und Mitarbeitenden – ArG- und GAV-konform, jederzeit exportierbar für Kontrollen.

  • Erfassung per App, auch offline
  • Überstunden, Nacht- und Samstagszuschläge automatisch
  • Auswertungen für paritätische Kontrollen
Zeiterfassung testen