Die Herausforderung für Gipserbetriebe
Gipserarbeiten sind vielfältig: von einfachem Verputz über Trockenbau bis zu aufwendigen Stuckarbeiten. Jede Arbeit hat andere Materialkosten, Zeitaufwände und Anforderungen. Eine präzise Kalkulation ist deshalb entscheidend — und sie beginnt immer beim Aufmass.
Key Takeaways
- Der Rechenweg ist bei Maler- und Gipserarbeiten immer derselbe: Aufmass → Mengen → m²-Preis → Offerte. Wer eine Stufe überspringt, schätzt statt zu rechnen.
- Welche Öffnungen abgezogen und wie Leibungen gemessen werden, regeln die Ausmassbestimmungen im jeweiligen NPK-Kapitel. Halten Sie im Werkvertrag fest, nach welchen Regeln gemessen wird.
- Verlässliche Leistungswerte (m² pro Stunde) stammen aus der eigenen Nachkalkulation, nicht aus Tabellen. Sie bestimmen den Arbeitsanteil im m²-Preis.
- Für Arbeiten nach Aufwand empfiehlt der SMGV 2026 einen Regieansatz von CHF 107.35/h für Maler:innen; Material nach Aufwand wird mit Einkaufspreis + 40 % verrechnet.
- Als Faustregel für Gipsputz gilt rund 1 Tag Trocknungszeit pro Millimeter Putzdicke — massgebend sind die Angaben des Herstellers.
Typische Gipserarbeiten und ihre Kalkulation
Innenverputz
- Material: Grundierung bzw. Haftbrücke, Putz, Eckschutzprofile
- Arbeitszeit: stark abhängig davon, ob maschinell oder von Hand verputzt wird — hier lohnen sich eigene Leistungswerte pro Verfahren
- Trocknungszeit einplanen: vor dem Streichen oder Tapezieren
Aussenverputz
- Material: Grundputz, Deckputz, Armierung bei Aussenwärmedämmung
- Witterungsabhängig: nicht bei Frost und Regen verarbeiten (siehe auch Fassadenrenovation planen)
- Gerüst: immer separat ausweisen
Trockenbau
- Material: Ständerwerk, Platten, Spachtel, Fugenband
- Arbeitszeit: komplette Wand mit Unterkonstruktion, Beplankung und Spachtelung getrennt erfassen
- Extras: Dämmung, Dampfbremse, Doppelbeplankung als eigene Positionen
Stuckarbeiten
- Material: stark variabel, meist pro Laufmeter oder Stück kalkuliert
- Arbeitszeit: individuell, je nach Profil und Zustand
- Meist Handarbeit: zeitintensiv, deshalb besonders sorgfältig nachkalkulieren
Häufige Kalkulationsfehler
1. Untergrund nicht berücksichtigt
Der Untergrund bestimmt den Aufwand massgeblich:
- Neubau (Beton): Haftbrücke nötig
- Altbau (alter Putz): Abschlagen, Reinigen, Ausbessern — oft deutlich mehr Aufwand als im Neubau
- Feuchte Wände: zuerst Ursache und Sanierung klären, das ist eine eigene Kalkulation
Dokumentieren Sie den Untergrund bei der Besichtigung mit Fotos. So lässt sich später belegen, warum eine Position teurer ist.
2. Ecken, Kanten und Leibungen vergessen
Fensterleibungen, Türstürze, Ecken und Kanten brauchen pro Meter deutlich mehr Zeit als die offene Fläche. Führen Sie sie deshalb als eigene Positionen (Laufmeter oder Stück) und nicht versteckt im m²-Preis.
3. Trocknungszeiten ignoriert
Zwischen den Arbeitsgängen muss der Putz trocknen. Das beeinflusst die Planung:
- Bei mehreren Räumen: parallel arbeiten
- Bei einem Raum: Leerlauf einplanen oder andere Arbeiten dazwischen legen
Kalkulationshilfe für Maler und Gipser
Eine Kalkulationshilfe ist kein Preisblatt, sondern ein fester Rechenweg. Wer ihn bei jedem Auftrag gleich geht, bekommt vergleichbare Offerten und kann nach dem Auftrag sauber nachkalkulieren. Die Grafik zeigt die vier Schritte am Beispiel Malerarbeiten; für Gipserarbeiten gilt dieselbe Logik.
Schritt 1: Aufmass-Regeln festlegen
Bevor Sie messen, klären Sie, wie gemessen wird. Die Ausmassbestimmungen in den NPK-Kapiteln regeln unter anderem, ab welcher Grösse Öffnungen abgezogen werden und wie Leibungen, Ecken und Kanten verrechnet werden. Arbeiten Sie ohne NPK, halten Sie Ihre eigenen Regeln in der Offerte fest. Das verhindert Diskussionen bei der Abrechnung.
Praktische Regeln fürs Aufmass vor Ort:
- Raum für Raum erfassen: Länge, Breite, Raumhöhe
- Wandfläche = Umfang × Raumhöhe, Deckenfläche = Länge × Breite
- Öffnungen (Fenster, Türen, Einbauschränke) mit Breite × Höhe notieren und gemäss vereinbarter Regel abziehen
- Leibungen, Kanten, Profile in Laufmetern separat erfassen
- Untergrund und Besonderheiten pro Raum mit Foto festhalten
Die Nettofläche rechnet der kostenlose Flächen-Rechner für Maler inklusive Abzügen aus.
Schritt 2: Eigene Leistungswerte verwenden
Der Leistungswert sagt, wie viele m² Ihr Team pro Stunde schafft. Er ist die wichtigste Zahl im m²-Preis — und er ist in jedem Betrieb anders. Tabellenwerte aus dem Internet passen selten zu Ihrem Team, Ihren Maschinen und Ihren Objekten.
So kommen Sie zu eigenen Werten:
- Bei jedem Auftrag die gemessene Fläche und die rapportierten Stunden pro Leistungsart erfassen.
- Leistungswert = Fläche ÷ Stunden. Beispiel mit angenommenen Zahlen: 120 m² Grundputz in 12 Stunden ergibt 10 m²/h.
- Nach einigen Aufträgen den Mittelwert pro Leistungsart verwenden und getrennt nach Neubau und Altbau führen.
Aus dem Leistungswert wird der Arbeitsanteil im m²-Preis: Verrechnungssatz ÷ Leistungswert. Rechnen Sie mit dem SMGV-Regieansatz 2026 von CHF 107.35/h und dem angenommenen Wert von 10 m²/h, kostet die Arbeit rund CHF 10.75 pro m². Dazu kommt der Materialanteil pro m² (Verbrauch × Preis × Anzahl Arbeitsgänge).
Schritt 3: Beispiel Malerarbeiten in einem Zimmer
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Massen, keine Offerte:
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Wandfläche | Zimmer 4 × 5 m, Höhe 2,5 m: 2 × (4 + 5) × 2,5 | 45,0 m² |
| Abzüge | Fenster 1,2 × 1,4 m und Tür 0,9 × 2,0 m | − 3,5 m² |
| Decke | 4 × 5 m | 20,0 m² |
| Fläche total | 45,0 − 3,5 + 20,0 | 61,5 m² |
| Preis Wand/Decke innen | 61,5 m² × CHF 15–28/m² (Richtwert, 2 Anstriche inkl. Abdecken) | CHF 920–1'720 |
| Zusatzarbeit nach Aufwand | 3 h × CHF 107.35 (SMGV-Regieansatz Maler:in 2026) | CHF 322.05 |
Die Spanne von CHF 15–28/m² ist ein Richtwert aus Preisportalen (daibau.ch, handman.ch, ofri.ch), exkl. MWST. Ihr eigener m²-Preis entsteht aus Schritt 2. Mehr Richtwerte finden Sie unter Malerarbeiten Kosten pro m²; die Regieansätze stehen im PDF des SMGV.
Schritt 4: Offerte und Nachkalkulation
Übernehmen Sie die Mengen aus dem Aufmass direkt in die Offerte, getrennt nach Flächen (m²), Laufmetern und Stück. Nach dem Auftrag vergleichen Sie offerierte mit rapportierten Stunden. Weicht der Leistungswert ab, passen Sie ihn für die nächste Offerte an. Genau diese Schleife nimmt Ihnen eine Software für Maler und Gipser ab: Aufmass, Offerte, Rapport und Nachkalkulation greifen auf dieselben Zahlen zu.
Digitale Aufmasserfassung
Statt mit Massband und Zettel:
- Räume digital erfassen — Länge, Breite, Höhe
- Abzüge automatisch — Fenster, Türen, Einbauschränke
- Sofortige Kalkulation — Fläche × Einheitspreis = Offertposition
- Fotos verknüpfen — Untergrund dokumentieren
Materialwirtschaft optimieren
Gipserbetriebe haben oft hohe Materialkosten. Optimieren Sie:
- Restmengen vermeiden — Mengen aus dem Aufmass statt Schätzung
- Siloputz statt Sackware — bei grossen Flächen prüfen
- Rahmenverträge — mit Lieferanten feste Preise vereinbaren
Praxis-Beispiel: Innenverputz 3-Zimmer-Wohnung
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Einheitspreisen für eine 3-Zimmer-Wohnung (ca. 75 m²). Die Preise sind keine Marktpreise, sondern Platzhalter, um den Aufbau zu zeigen — setzen Sie Ihre eigenen Werte ein:
| Position | Menge | Einheitspreis (Annahme) | Total |
|---|---|---|---|
| Grundierung Wände & Decken | 180 m² | CHF 3/m² | CHF 540 |
| Gipsputz maschinell (10 mm) | 180 m² | CHF 12/m² | CHF 2'160 |
| Ecken & Leibungen | 45 Lfm | CHF 8/Lfm | CHF 360 |
| Spachtelung Q3 | 180 m² | CHF 6/m² | CHF 1'080 |
| Total Material + Arbeit | CHF 4'140 |
Dazu kommen Anfahrt, Maschinenreinigung und Entsorgung als eigene Positionen. Mit einer digitalen Kalkulationssoftware legen Sie solche Positionen einmal an und verwenden sie in jeder Offerte wieder.
Fazit
Gipser- und Malerbetriebe profitieren von einem festen Rechenweg: klare Aufmass-Regeln, eigene Leistungswerte, ein nachvollziehbarer m²-Preis und die Nachkalkulation nach jedem Auftrag. Der Zeitaufwand für Offerten sinkt, die Genauigkeit steigt, und Sie sehen, welche Aufträge sich lohnen — und welche nicht.



