Eine ungenaue Kalkulation ist der häufigste Grund für Verlustprojekte im Elektrohandwerk. Zu tief kalkuliert, und die Marge ist weg. Zu hoch, und der Auftrag geht an die Konkurrenz. Dieser Leitfaden zeigt das Kalkulationsschema, typische Montagezeiten pro Position, die Logik des EIT-Vademecums und ein durchgerechnetes Beispiel für ein Einfamilienhaus. Am Schluss prüfen wir das Ergebnis gegen öffentliche Kennzahlen pro m².
Key Takeaways
- Das Grundschema: Material × Materialfaktor + Montagestunden × Mischsatz + Fahrt und Pauschalen + MWST.
- Montagezeiten sind die grösste Unsicherheit. Referenz ist der NPK Elektro von EIT.swiss mit rund 14'000 Leistungspositionen; eigene Nachkalkulationen machen die Werte genauer.
- Der Mischsatz gewichtet die Stundenansätze des Teams. Mit den EIT.nordwest-Empfehlungen 2026 ergibt ein typisches Team rund CHF 135 pro Stunde.
- In der Renovation rechnen wir mit 30–50 % mehr Montagezeit als im Neubau (Baunex-Richtwert).
- Plausibilisierung: Neubau-Elektroinstallationen kosten laut houzy CHF 100–200/m² Wohnfläche oder 3–5 % der Baukosten, laut daibau CHF 110–270/m².
Das Kalkulationsschema
Jede Elektro-Offerte folgt demselben Aufbau. Das Stapeldiagramm zeigt ihn am Rechenbeispiel weiter unten.
| Block | Inhalt | Wie rechnen |
|---|---|---|
| Material | Kabel, Rohre, Dosen, Apparate, Verteiler, Schutzgeräte | Einkaufspreis × Materialfaktor |
| Arbeit | Rohinstallation, Kabelzug, Fertigmontage, Verteiler, Mess- und Prüfarbeiten | Stunden pro Position × Mischsatz |
| Pauschalen | Fahrt, Baustelleneinrichtung, Installationsanzeige, Sicherheitsnachweis | fester Betrag pro Auftrag |
| MWST | 8,1 % auf die Angebotssumme | Normalsatz laut ESTV |
Gemeinkosten und Gewinn stecken dabei nicht in einem separaten Block, sondern im Materialfaktor und im Stundensatz. Das ist die Logik des Vademecums von EIT.swiss.
Die Vademecum-Logik von EIT.swiss
Das Vademecum ist eine Excel-Kalkulationshilfe, die EIT.swiss (früher VSEI) seinen Mitgliedern zur Verfügung stellt. Es soll mit betriebseigenen Werten statt mit Pauschalen rechnen, damit Offerten und Rechnungen zur eigenen Kostenstruktur passen. Die Bausteine:
- Materialfaktor: Verwaltungskosten, Risiken und Gewinn werden anteilig dem Material zugewiesen. Der Einkaufspreis wird mit diesem Faktor multipliziert.
- Stundenpreise: Grundlage sind die Brutto-Monatslöhne und die Jahresarbeitszeit der Mitarbeitenden.
- Soll-Erlös: Die Stundenlöhne werden um die verschiedenen Kostenarten erhöht, bis der Stundenpreis alle Kosten deckt.
- Regiesatz: wird pro Mitarbeiterkategorie berechnet.
- TB-C-Sätze: Ansätze für die technische Bearbeitung nach Installationsart.
Als Datenquelle dienen die eigene Buchhaltung, der Treuhänder und das Dokument «Branchen-Kennzahlen» von EIT.swiss mit Schweizer Durchschnittswerten. Wie man vom GAV-Lohn zum Stundenpreis kommt, rechnet der Beitrag Stundenlohn Elektriker Schritt für Schritt vor.
Mischsatz aus den EIT.nordwest-Ansätzen
Auf einer Baustelle arbeiten selten nur Elektroinstallateur:innen. Der Mischsatz gewichtet die Stundenansätze nach dem Anteil an den Stunden. Beispiel mit den Empfehlungen von EIT.nordwest 2026 (exkl. MWST):
| Funktion | Ansatz 2026 | Anteil Stunden (Annahme) | Beitrag |
|---|---|---|---|
| Elektroinstallateur:in EFZ (Kat. 5) | CHF 151 | 60 % | CHF 90.60 |
| Montage-Elektriker:in (Kat. 8) | CHF 138 | 25 % | CHF 34.50 |
| Lernende:r 3. Lehrjahr | CHF 69 | 15 % | CHF 10.35 |
| Mischsatz | CHF 135.45, gerundet CHF 135 |
Regieansätze gelten für Arbeiten nach Aufwand. Für Werkverträge rechnen viele Betriebe mit einem eigenen, oft tieferen Soll-Erlös. Massgebend ist Ihre Kostenstruktur, nicht die Empfehlung.
Montagezeiten Elektro pro Position
Die Montagezeit ist der grösste Hebel. Die Referenz der Branche ist der NPK Elektro von EIT.swiss: rund 14'000 Leistungspositionen mit Informationen und Richtwerten, jährlich aktualisiert. Digital nutzen lässt er sich mit neun EIT.swiss-zertifizierten Kalkulationsprogrammen (Abacus, ALSOFT, Braso, Karakun, Messerli, BAU4x, Ordinal, Polylog, Schoch).
Die folgende Tabelle ist kein NPK-Auszug, sondern eine Sammlung von Baunex-Richtwerten für eine erste Grobkalkulation. Die Renovationsspalte rechnet +30–50 % auf den Neubau.
| Position | Neubau (Baunex-Richtwert) | Renovation +30–50 % |
|---|---|---|
| UP-Dose setzen, Beton | 20–25 Min. | 26–38 Min. |
| UP-Dose setzen, Leichtbau | 10–15 Min. | 13–23 Min. |
| Steckdose oder Schalter UP, Apparat in bestehende Dose | 8–12 Min. | 10–18 Min. |
| Steckdose UP komplett neu (Dose, Leitung bis 5 m, Apparat) | 30–45 Min. | 39–68 Min. |
| Steckdose oder Schalter AP, inkl. Leitung bis 5 m | 20–30 Min. | 26–45 Min. |
| Leuchte montieren, Standard | 20–30 Min. | 26–45 Min. |
| Einbauleuchte | 30–45 Min. | 39–68 Min. |
| Kabel einziehen, pro m | 1–2 Min. | 1,3–3 Min. |
| LS- oder FI-Schalter montieren und verdrahten | 15–20 Min. | 20–30 Min. |
| Unterverteiler bis 4-reihig setzen und verdrahten | 4–8 h | 5–12 h |
| Mess- und Prüfarbeiten inkl. Sicherheitsnachweis, EFH | 2–4 h | 2–4 h |
Warum Renovationen länger dauern: Bestandsaufnahme, Demontage, Schlitzen in bestehendem Mauerwerk, Schutz bewohnter Räume und unerwartete Leitungsführungen. Pflegen Sie eigene Zeitwerte aus abgeschlossenen Aufträgen. Nach einigen Projekten sind sie genauer als jede Tabelle.
Rechenbeispiel: Elektroinstallation Einfamilienhaus
Ausgangslage: Neubau Einfamilienhaus, 160 m² Wohnfläche, Standardinstallation ohne Smart Home, 1 Verteiler, 25 Stromkreise. Mengen, Einkaufspreise und Stunden sind Beispielannahmen von Baunex, keine Marktpreise.
Material
| Position | Menge | Einkaufspreis (CHF) | Total (CHF) |
|---|---|---|---|
| Verteiler 4-reihig komplett | 1 | 1'200 | 1'200 |
| LS- und FI-Schutzschalter | 25 | 45 | 1'125 |
| Installationskabel 3×1,5 mm² | 800 m | 1.80 | 1'440 |
| Installationskabel 3×2,5 mm² | 200 m | 2.90 | 580 |
| UP-Dosen und Rahmen | 85 | 8 | 680 |
| Schalter und Steckdosen | 85 | 18 | 1'530 |
| Kleinmaterial | pauschal | 600 | |
| Material Einkauf | 7'155 |
Arbeit
| Arbeitsschritt | Stunden | Plausibilität mit der Zeitwerttabelle |
|---|---|---|
| Rohinstallation (Rohre, 85 Dosen in Beton) | 60 | Dosen allein 28–35 h, dazu Rohre |
| Kabelzug, ca. 1'000 m | 30 | 1–2 Min. pro m = 17–33 h |
| Fertigmontage (85 Apparate, Leuchtenanschlüsse) | 22 | Apparate allein 11–17 h |
| Verteiler setzen und verdrahten, 25 Stromkreise | 12 | 4–8 h plus 25 Schutzgeräte |
| Mess- und Prüfarbeiten, Sicherheitsnachweis | 4 | 2–4 h |
| Baustelleneinrichtung, Koordination, Rapporte | 12 | Annahme |
| Total | 140 |
Gesamtkalkulation
| Position | Rechnung | CHF |
|---|---|---|
| Material Einkauf | 7'155 | |
| Materialzuschlag | Faktor 1,20 (Annahme) | 1'431 |
| Arbeit | 140 h × Mischsatz CHF 135 | 18'900 |
| Fahrt | pauschal | 450 |
| Angebotssumme exkl. MWST | 27'936 | |
| MWST | 8,1 % | 2'263 |
| Angebotssumme inkl. MWST | 30'199 |
Das ergibt rund CHF 175 pro m² Wohnfläche exkl. MWST. Die Arbeit macht in diesem Beispiel gut zwei Drittel der Summe aus.
Plausibilisierung: Passt das Ergebnis?
Bevor die Offerte rausgeht, lohnt sich ein Abgleich mit öffentlichen Kennzahlen:
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Elektroinstallation Neubau pro m² Wohnfläche | CHF 100–200 | houzy (Preisstand 2023) |
| Anteil an den Baukosten | 3–5 % | houzy (Preisstand 2023) |
| Roh- und Feininstallation pro m² | CHF 110–270 | daibau (aktualisiert 04.02.2026) |
| Anteil Elektro an den Gesamtkosten beim Hausbau | ca. 4 % | ofri |
| Arbeitsstunden für Steckdosen, Beleuchtung und Schalter | ca. 180 h | ofri |
Unser Beispiel mit CHF 175/m² liegt in beiden m²-Spannen. Mit 140 Stunden liegt es unter der ofri-Angabe von rund 180 Stunden. Das ist ein Hinweis, die Stunden nochmals zu prüfen: Wer mehr Leuchten, Aussenanschlüsse oder schwierige Rohrführungen hat, landet schnell bei 180 Stunden. Weicht Ihre Kalkulation deutlich von den Kennzahlen ab, suchen Sie zuerst bei Mengen und Zeiten, erst dann beim Stundensatz.
Smart-Home-Aufschlag
Smart-Home-Installationen erhöhen den Aufwand deutlich. Die folgenden Beträge sind Baunex-Richtwerte, stark abhängig von Projekt und System:
| Erweiterung | Aufschlag (Baunex-Richtwert) |
|---|---|
| KNX-Bussystem, Grundinstallation | +CHF 8'000–15'000 |
| KNX-Programmierung | +CHF 2'000–5'000 |
| Smart-Home-Zentrale | +CHF 1'500–3'000 |
| Zusätzliche Sensoren (Präsenz, Wind, Regen) | +CHF 200–400 pro Stück |
Fünf häufige Kalkulationsfehler
1. Kabelmengen unterschätzen. Die Leitung folgt nicht der Luftlinie auf dem Plan. Als Faustregel rechnen wir 15–20 % Zuschlag auf die gemessene Länge (Baunex-Erfahrungswert).
2. Neubau-Zeiten auf die Renovation übertragen. Bestandsaufnahme, Demontage und Hindernisse kosten Zeit. Rechnen Sie 30–50 % mehr (Baunex-Richtwert) oder nehmen Sie die Werte aus eigenen Umbauprojekten.
3. Mess- und Prüfarbeiten vergessen. Prüfprotokolle und der Sicherheitsnachweis brauchen Zeit und Messgeräte. EIT.nordwest empfiehlt für das Erstellen eines SiNa einen Ansatz ab CHF 95 und für das NIV-Messgerät CHF 82 pro Einsatz.
4. Materialfaktor zu tief ansetzen. Nachbestellungen, Verschnitt, Lager und Kapitalbindung kosten Geld. Den passenden Faktor liefert die eigene Buchhaltung; der Material-Aufschlag-Rechner hilft beim Durchrechnen.
5. Keinen Puffer einplanen. Versteckte Leitungen, geänderte Kundenwünsche oder verspätete Vorleistungen anderer Gewerke kommen vor. Planen Sie einen Risikozuschlag ein oder vereinbaren Sie Regiearbeit für Unvorhergesehenes.
Kalkulation mit Software beschleunigen
Statt jede Offerte neu zu rechnen, arbeiten Sie mit Vorlagen:
- Leistungspositionen mit hinterlegten Zeitwerten wiederverwenden
- Materialpreise zentral pflegen, Mengen mit dem Elektro-Material-Rechner abschätzen
- Soll-Ist-Vergleich pro Auftrag, damit die Zeitwerte mit jedem Projekt besser werden
- Offerten schneller erstellen, direkt aus der Kalkulation
Das alles bietet die Software für Elektriker von Baunex.
Fazit
Eine gute Elektro-Kalkulation steht auf drei Beinen: realistische Montagezeiten, ein Materialfaktor aus der eigenen Buchhaltung und ein Stundensatz, der alle Kosten deckt. Prüfen Sie jede grössere Offerte gegen die Kennzahlen pro m², und vergleichen Sie nach jedem Auftrag Soll und Ist. Wie sich der Stundensatz vom Lohn her aufbaut, zeigt der Beitrag Stundenlohn Elektriker Schweiz.
Quellen
Stand: September 2026, alle Quellen am 26.09.2026 geprüft.
- EIT.swiss, NPK Elektro (ca. 14'000 Leistungspositionen, zertifizierte Programme): eit.swiss
- EIT.swiss, Vademecum: individuelle Kalkulation für sichere Preiskontrolle: eit.swiss
- EIT.nordwest, Stundenansätze Personalkategorien 2026 als Empfehlung, Rev. 1: eitnordwest.swiss
- ESTV, MWST-Steuersätze: estv.admin.ch
- houzy, Kosten Elektriker (Preisstand 2023, Sekundärquelle): houzy.ch
- daibau, Elektroinstallation Kosten (aktualisiert 04.02.2026, Sekundärquelle): daibau.ch
- ofri, Elektroinstallation Kosten (Sekundärquelle): ofri.ch
- Baunex-Richtwerte und Beispielannahmen: eigene Einschätzung, keine Erhebung.



