Kalkulation 5. Juni 2026 12 Min.

Stundenverrechnungssatz Handwerk Schweiz berechnen — vollständige Anleitung 2026

Viele Schweizer Handwerker kennen ihren Stundenverrechnungssatz nicht genau — und kalkulieren damit zu günstig. Dieser Guide zeigt Schritt für Schritt, wie Sie alle Kostenfaktoren (AHV, BVG, Gemeinkosten, Marge) korrekt einrechnen und einen marktfähigen Stundensatz ermitteln.

Stundenverrechnungssatz Handwerk Schweiz berechnen — vollständige Anleitung 2026


Montag, 9:00 Uhr. Ein Elektriker-Meister aus dem Kanton Solothurn sitzt mit seinem Treuhänder zusammen. Die Jahresrechnung liegt auf dem Tisch — und obwohl der Umsatz gestiegen ist, ist der Gewinn gesunken. Der Treuhänder zeigt auf die Auswertung: «Ihr Stundenverrechnungssatz deckt Ihre tatsächlichen Kosten nicht.» Der Meister ist überrascht — er hat den Satz seit drei Jahren nicht angepasst.

Dieses Gespräch findet in Tausenden Schweizer Handwerksbetrieben statt. Falsch kalkulierte Stundensätze sind einer der häufigsten Gründe für unzureichende Rentabilität im Handwerk.

Key Takeaways

  • Der Stundenverrechnungssatz muss alle Kosten decken: Lohn, Sozialleistungen (AHV, BVG, UVG), Gemeinkosten und Gewinnmarge
  • Schweizer Sozialleistungen erhöhen den Bruttolohn um den Faktor 1.3–1.4
  • Produktive Stunden sind deutlich weniger als Anwesenheitsstunden: ca. 120–140 Stunden pro Monat
  • Gemeinkosten (Fahrzeuge, Büro, Werkzeug, Versicherungen) machen 20–35% des Stundensatzes aus
  • Branchenspanne Schweiz 2026: CHF 75–145/h je nach Gewerk und Region

Warum der richtige Stundenverrechnungssatz überlebenswichtig ist

Ein zu tiefer Stundenverrechnungssatz ist schleichend tödlich für einen Handwerksbetrieb. Er zeigt sich nicht sofort als Problem — der Betrieb ist gut ausgelastet, der Umsatz stimmt. Aber der Gewinn fehlt. Nach Jahren merkt der Betriebsinhaber: Er arbeitet viel, verdient wenig — und hat keine Rücklagen für Investitionen oder schwierige Zeiten.

Häufige Kalkulationsfehler:

  • Sozialkosten werden unterschätzt (nur Bruttolohn eingerechnet, ohne AG-Anteile)
  • Produktive Stunden werden überschätzt (z.B. 160h statt realistisch 130h)
  • Gemeinkosten werden vergessen (Fahrzeugkosten, Werkzeugverschleiss, Büro)
  • Gewinnmarge fehlt oder ist zu klein
  • Kein Lohnindex-Ausgleich: Lohnkosten steigen jedes Jahr, Stundensatz nicht

Was passiert bei zu tiefem Stundensatz:

  • Bei CHF 70/h statt korrekten CHF 90/h verliert ein 5-Mann-Betrieb mit 3'000 fakturierten Stunden/Jahr: CHF 60'000 Umsatz, der fehlt
  • Diese CHF 60'000 sind der Unterschied zwischen Investitionsfähigkeit und Stillstand

Die Formel: So berechnen Sie Ihren Stundensatz Schritt für Schritt

Die Grundformel ist einfach:

Stundenverrechnungssatz = (Lohnkosten total + Gemeinkosten + Gewinnmarge) / Produktive Stunden

Jeder dieser Faktoren muss korrekt berechnet werden. Die Schritte:

  • Direkte Lohnkosten (Bruttolohn + alle Arbeitgeberbeiträge)
  • Gemeinkosten berechnen (anteilig pro Mitarbeitenden)
  • Produktive Stunden ermitteln (nicht alle Stunden sind fakturierbar)
  • Gewinnmarge einrechnen

Schritt 1: Direkte Lohnkosten (Bruttolohn + Sozialleistungen)

Der grösste Fehler: Nur den Bruttolohn nehmen. Der echte Kostensatz eines Mitarbeitenden ist deutlich höher.

Beispiel: Monteur, CHF 5'500 Bruttolohn/Monat

KostenartArbeitnehmer-AnteilArbeitgeber-AnteilKommentar
AHV5.3%5.3%Pensionskasse 1. Säule
IV0.7%0.7%Invalidenversicherung
EO0.25%0.25%Erwerbsersatzordnung
ALV1.1%1.1%Arbeitslosenversicherung
BVG (2. Säule)ca. 7–10%ca. 8–12%Je nach Alter und Plan
KTGca. 1%ca. 1%Krankentaggeld
UVG-NBUca. 1.5%Nichtberufsunfall (AN)
UVG-BUca. 0.5–3%Berufsunfall (AG), je nach Branche
FAK (Familienzulage)ca. 1.5–2.5%Je nach Kanton


Berechnung für CHF 5'500 Bruttolohn:

  • Bruttolohn: CHF 5'500
  • AG-Beiträge AHV/IV/EO/ALV: ~7.35% = CHF 404
  • AG-Beitrag BVG: ~10% = CHF 550
  • AG-Beitrag KTG: ~1% = CHF 55
  • AG-Beitrag UVG-BU: ~1.5% = CHF 83
  • AG-Beitrag FAK: ~2% = CHF 110
  • Lohnnebenkosten total: CHF 1'202
  • Gesamter Lohnkostensatz: CHF 6'702/Monat

Der Faktor: CHF 6'702 / CHF 5'500 = 1.22 — der echte Kostensatz beträgt 22% mehr als der Bruttolohn. In vielen Betrieben ist er noch höher (1.30–1.40) wenn Ferien-Anteil und 13. Monatslohn eingerechnet werden.

13. Monatslohn und Ferien:

  • 13. Monatslohn: +8.33% des Jahreslohns
  • Ferien (5 Wochen GAV): Diese Wochen zahlen Sie Lohn, ohne Produktivleistung
  • Feier- und Krankheitstage: weitere 5–8% Aufschlag

Realistischer Gesamtfaktor mit allen Elementen: 1.40–1.50

Bei CHF 5'500 Bruttolohn und Faktor 1.45: CHF 7'975 echte Monatslohnkosten

Schritt 2: Gemeinkosten berechnen

Gemeinkosten sind alle Kosten, die nicht direkt einem Auftrag zugeordnet werden können, aber für den Betrieb entstehen.

Typische Gemeinkosten-Kategorien:

KostenkategorieBeispiel-JahreskostenAnteil am Umsatz
FahrzeugkostenCHF 18'000–25'000/Fahrzeug5–8%
Büro/MieteCHF 12'000–30'0003–6%
Versicherungen (Betriebs-, Haftpflicht)CHF 5'000–15'0001–3%
Werkzeug und MaschinenCHF 8'000–20'0002–4%
IT und SoftwareCHF 2'000–5'0000.5–1%
WeiterbildungCHF 2'000–5'0000.5–1%
MarketingCHF 3'000–8'0000.5–2%
Verwaltung (Treuhänder, etc.)CHF 5'000–10'0001–2%


Gemeinkosten-Anteil am Stundenverrechnungssatz: Typischerweise 20–35% des Stundensatzes. Für ein Unternehmen mit CHF 1 Mio. Umsatz und CHF 250'000 Gemeinkosten: 25% Gemeinkosten-Anteil.

Berechnung pro Stunde: CHF 250'000 Gemeinkosten / 3'000 fakturierbare Stunden/Jahr = CHF 83/h Gemeinkosten-Anteil

Schritt 3: Produktive Stunden ermitteln

Das ist der Schritt, bei dem die meisten Betriebe am stärksten falsch kalkulieren.

Brutto-Arbeitszeit eines Mitarbeitenden: 8.4h/Tag × 220 Arbeitstage = 1'848 Stunden/Jahr

Davon abzuziehen:

  • Ferien (5 Wochen GAV): -210 Stunden
  • Feiertage (ca. 9 Tage je nach Kanton): -75 Stunden
  • Krankheit/Unfall (Durchschnitt 8–10 Tage): -72 Stunden
  • Weiterbildungen/üK: -24 Stunden
  • Reparaturen, Reinigung, interne Besprechungen: -48 Stunden
  • Fahrtzeiten (Anteil nicht verrechenbar): -60 Stunden

Netto-Produktivstunden: 1'848 - 489 = ca. 1'360 Stunden/Jahr = ca. 113 Stunden/Monat

Oder anders: Nur 74% der Brutto-Arbeitszeit sind fakturierbar. Wer mit 100% oder 80% kalkuliert, unterschätzt die Kosten systematisch.

Empfehlung: Berechnen Sie die tatsächlichen fakturierbaren Stunden aus Ihren eigenen Daten. Auswertungen aus der Zeiterfassung geben Ihnen den genauen Wert — nicht eine Schätzung.

Schritt 4: Gewinnmarge einrechnen

Der Stundenverrechnungssatz muss nicht nur Kosten decken, sondern auch Gewinn generieren. Gewinn ist keine Gier — er ist Kapital für:

  • Investitionen (Fahrzeuge, Werkzeug, IT)
  • Krisenreserven (2–3 Monatslöhne als Liquiditätspuffer)
  • Betriebserweiterung und Lohnerhöhungen
  • Rendite für Ihr unternehmerisches Risiko

Branchenübliche Margen im Schweizer Handwerk:

  • Kleinstbetriebe (1–3 MA): 10–15% Nettomarge
  • Kleine Betriebe (4–10 MA): 8–12%
  • Mittlere Betriebe (10–30 MA): 5–10%

Berechnung: Wenn Ihre Selbstkosten CHF 75/h sind und Sie 20% Marge wollen: Stundenverrechnungssatz = CHF 75 / (1 - 0.20) = CHF 93.75/h, aufgerundet auf CHF 95/h.

Praxisbeispiel: Vollständige Berechnung für einen Elektriker

Ausgangslage: 1 Monteur, CHF 5'500 Bruttolohn, Kanton Zürich

PositionMonatsbetragJahresbetrag
BruttolohnCHF 5'500CHF 66'000
13. MonatslohnCHF 458CHF 5'500
AG-Sozialleistungen (×0.22)CHF 1'310CHF 15'720
Anteilige GemeinkostenCHF 2'500CHF 30'000
GesamtkostenCHF 9'768CHF 117'220


Produktive Stunden: 1'360/Jahr = 113/Monat

Selbstkostenpreis: CHF 117'220 / 1'360h = CHF 86/h

Mit 15% Marge: CHF 86 / 0.85 = CHF 101/h

Marktüblicher Stundenverrechnungssatz für Elektriker Zürich 2026: CHF 100–120/h — die Rechnung stimmt.

Branchenvergleich Stundenverrechnungssätze Schweiz 2026

GewerkRegionStundenverrechnungssatz
ElektrikerZürich/ZugCHF 100–130/h
ElektrikerLändlichCHF 85–110/h
Sanitär/HeizungZürichCHF 105–135/h
Sanitär/HeizungLändlichCHF 90–115/h
MalerZürichCHF 85–110/h
MalerLändlichCHF 75–95/h
Gärtner/Landschafts.Ganze SchweizCHF 80–105/h
MaurerZürichCHF 90–120/h
GipserZürichCHF 88–115/h
Schlosser/MetallbauGanze SchweizCHF 90–120/h


Mehr zur Übersicht: Stundenlohn Handwerker Übersicht

Häufige Fehler bei der Stundensatz-Kalkulation

Fehler 1: Bruttolohn statt Gesamtlohnkosten
Der häufigste und teuerste Fehler. Der Gesamtlohnkosten-Faktor ist 1.40–1.50 — nicht 1.0.

Fehler 2: Gemeinkosten vergessen
Fahrzeuge, Werkzeug, Büro und Versicherungen kosten Geld — auch wenn sie keinem Auftrag direkt zugeordnet werden. Sie müssen im Stundenverrechnungssatz enthalten sein.

Fehler 3: Zu viele produktive Stunden angenommen
Rechnen Sie nie mit mehr als 75–80% der Brutto-Arbeitszeit als fakturierbar.

Fehler 4: Keine Marge eingerechnet
Selbstkostendeckung ist kein Gewinn. Ein Betrieb ohne Gewinn kann nicht investieren, nicht wachsen und hat keine Reserve für schwierige Zeiten.

Fehler 5: Stundensatz nie angepasst
Lohnkosten, Sozialabgaben und Gemeinkosten steigen jährlich. Der Stundensatz muss mindestens jährlich überprüft und angepasst werden.

Wann soll ich meinen Stundensatz anpassen?

Mindestens 1x jährlich — idealerweise im Herbst für das folgende Jahr. Auslöser für sofortige Überprüfung:

  • GAV-Lohnerhöhung in Ihrer Branche
  • Neue Fahrzeuge oder grosse Investitionen
  • Veränderte Sozialleistungs-Sätze (AHV, BVG, UVG)
  • Neue Mitarbeitende mit anderem Lohnniveau
  • Nachkalkulation zeigt regelmässig Verluste

Wie erhöhen ohne Kunden zu verlieren: Kommunizieren Sie Preiserhöhungen transparent: «Aufgrund gestiegener Lohn- und Materialkosten passen wir unsere Preise per 1. Januar um X% an.» Professionelle Kommunikation wird von Kunden akzeptiert — plötzliche, unerklärte Änderungen nicht.

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Fazit

Der Stundenverrechnungssatz ist das Fundament der Rentabilität im Handwerk. Wer ihn zu tief ansetzt, arbeitet viel und verdient wenig. Die Berechnung ist nicht kompliziert — aber sie muss alle Faktoren berücksichtigen: Lohnnebenkosten, Gemeinkosten, produktive Stunden und Gewinnmarge. Überprüfen Sie Ihren Stundensatz heute — und passen Sie ihn an, wenn nötig. Stundensatz berechnen mit dem Baunex-Tool

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Stundenlohn und Stundenverrechnungssatz?

Der Stundenlohn ist, was der Mitarbeitende erhält (Bruttolohn). Der Stundenverrechnungssatz ist, was Sie dem Kunden in Rechnung stellen. Der Stundenverrechnungssatz muss Bruttolohn, alle Sozialleistungen, Gemeinkosten und Gewinnmarge decken — er ist typischerweise 60–100% höher als der Stundenlohn des Mitarbeitenden.

Wie hoch sind die Sozialleistungs-Beiträge des Arbeitgebers in der Schweiz?

Arbeitgeberbeiträge für einen typischen Handwerksmitarbeitenden: AHV 5.3%, IV 0.7%, EO 0.25%, ALV 1.1%, BVG 8–12% (je nach Alter), KTG ~1%, UVG-BU 0.5–3% (je nach Branche), FAK 1.5–2.5% (kantonal). Total: ca. 18–25% des Bruttolohns. Hinzu kommen 13. Monatslohn und Ferien-Anteil — der Gesamtfaktor liegt bei 1.40–1.50.

Wie viele produktive Stunden kann ich pro Mitarbeitenden pro Jahr einplanen?

Realistisch sind 1'300–1'400 Stunden pro Jahr (von 1'848 Brutto-Arbeitsstunden). Abzüge: Ferien (210h), Feiertage (75h), Krankheit (72h), Weiterbildung (24h), interne Tätigkeiten (48h), nicht fakturierbare Fahrtzeiten (60h). Der Anteil fakturierbarer Stunden liegt bei 70–76% der Brutto-Arbeitszeit.

Wie oft soll ich den Stundenverrechnungssatz anpassen?

Mindestens einmal jährlich — idealerweise im Herbst für das Folgejahr. Zusätzliche Überprüfung bei: GAV-Lohnerhöhungen, Fahrzeuganschaffungen, Änderungen der Sozialversicherungs-Sätze (EFAS-Reform, BVG-Reform) oder wenn die Nachkalkulation systematisch Verluste zeigt.

Darf ich unterschiedliche Stundenverrechnungssätze für verschiedene Leistungen verrechnen?

Ja, das ist nicht nur erlaubt, sondern empfehlenswert. Komplexere oder spezialisiertere Leistungen können höher verrechnet werden. Typisch: Normalmontage CHF 95/h, Spezialarbeiten CHF 115/h, Notfalleinsatz Wochenende CHF 140/h. Stellen Sie sicher, dass die Preisdifferenzierung in Ihren Offerten und AGB klar kommuniziert wird.

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